Rezension zu Daniel Glattauer: Geschenkt

Wie schon vor einigen Tagen gepostet: Geschenkt von Daniel Glattauer ist ein Buch mit echtem Unterhaltungswert!

Gerold Plassek hat ja so einige Probleme - nicht nur, dass er dauerhaft im Karrieretief ausharrt, als Journalist bei einer Gratiszeitung. Nach 14 Jahren eröffnet ihm eine Ex, dass er der biologische Vater ihres Sohnes Manuel ist.
Nicht genug: er bekommt den "Neo-Sohn" zu allem Überfluss auch noch aufgedrückt, weil die Mutter des Kindes als Ärztin aktiv in Afrika ist...
Und zwar in Form von "Bürobesuchen", während derer Manuel seine Hausaufgaben erledigen soll. Manuel beobachtet seinen Vater jedoch bei dessen alltäglicher Langeweile...

Klar, dass er bei seinem Junior (der von seinem vorerst zweifelhaften Glück noch nichts ahnt, untypischerweise außerdem - angeblich - seinen Vater weder vermisst noch sucht...Das wiederum halte ich persönlich für künstlerische Freiheit, denn es wird wohl kaum jemals vorkommen, dass Tochter oder Sohne Papa-los glücklich sind... aber bitte) da nicht wirklich punkten kann.

Wären da nicht die plötzlich auftauchenden anonymen Spenden... würde sich am Status quo auch nichts mehr ändern.

Dann aber passiert etwas - Gerold wird, wider Willen, doch noch zum großen Karrieremacher! Und natürlich erobert er so auch das Herz seines Juniors... ob dieser übrigens von seinem "Glück", Gerolds Sohn zu sein, erfährt, und wie die Reaktion dazu aussieht, verrate ich an dieser Stelle selbstverständlich NICHT.

Kurzweilig erzählt, auch eine Tochter aus Gerolds kurzer Ehe kommt vor, diese scheint für den Autor aber dann doch nicht ganz so spannend zu sein, was dann wiederum beweist, dass Väter sich gängiger Meinung tatsächlich erst durch einen Sohn in irgend etwas Abstrusem bestätigt fühlen... und klar: Gerold trinkt gerne eher mehr als weniger, selbstverständlich hatte er einen Vater, der Alkoholiker war... Aber ehrlich gesagt, das Buch ist sehr viel besser als die zwei, drei Kleinigkeiten, die man mit zu kritischem Auge (meinem ;-) leider schon bemerkt.

Sprachlich topp, Ideenmäßig überaus einfallsreich, dass Töchter alle keinen Papa brauchen verzeihe ich ;-) und davon abgesehen: ICH PERSÖNLICH würde das Buch kaufen! Wenn ich's nicht schon hätte.
Auch der großherzige Spender sowie die besonderen Herausforderungen der Medienwelt bekommen ihr Fett ab... die Stammkneipe ist aber keine Randerscheinung  journalistischer Lebenswelten...

Allerdings möchte ich manche der Darstellungen nicht ins echte Leben übertragen, und ich will jetzt auch nicht gerne hinterfragen, ob man als Vater nicht zu einem Gentest greifen würde, bevor man so eine Geschichte glaubt, beziehungsweise "wie großartig" man es findet, um vierzehn Jahre mit dem eigenen Kind betrogen zu werden.



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